Impulse

Der Hafen der Zukunft

sicher, vernetzt, klimaneutral

Kontakt aufnehmen

Die Zukunft unserer Häfen hat längst begonnen

 

Die Anforderungen an deutsche Hafenstandorte haben sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Prof. Dr. Iven Krämer, Abteilungsleiter Hafen und Logistik bei der Bremer Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation, Honorarprofessor an der Hochschule Bremen und Vorstandsmitglied im Deutschen Nautischen Verein, beschreibt die vielschichtigen Herausforderungen und Chancen für die Hafenentwicklung.

Häfen sind heute zentrale Elemente kritischer Infrastruktur, deren Ausfall weitreichende wirtschaftliche und politische Folgen hätte. Im Mittelpunkt stehen die Sicherstellung der logistischen Leistungsfähigkeit und die technische Ertüchtigung. Dabei geht es nicht nur um Kapazitätsausbau, sondern vor allem um robuste, redundante Systeme, die auch unter Belastung zuverlässig funktionieren.

Sicherheit als strategische Aufgabe

Neben bereits bestehenden, klassischen Gefahren wie Vandalismus und Sabotage gewinnen digitale Bedrohungen, etwa Cyberangriffe und Drohnenüberflüge z.B. zum Zweck der Spionage, aktuell rasant an Bedeutung. Diese hybriden Risiken erfordern ganzheitliche Sicherheitsstrategien. Bremerhaven übernimmt hier als die für Deutschland und ganz Nordeuropa führende NATO-Drehscheibe eine Schlüsselrolle: Die Infrastruktur muss sowohl den Regelbetrieb als auch militärische Transporte im Normalbetrieb aber erst recht im Verteidigungsfall gewährleisten.

Der von Iven Krämer mit organisierte und moderierte 37. Deutsche Schifffahrtstag stellte mit einer eigenen Fachveranstaltung unter dem Titel "Häfen: sicher, vernetzt, klimaneutral", die vom Deutschen Nautischen Verein und der Hafentechnischen Gesellschaft gemeinsam geplant worden ist, erstmals hybride Bedrohungen für die Häfen in den Mittelpunkt. In Zusammenarbeit mit dem Bundeswehrführungskommando wurden Konzepte für eine engere Verzahnung von Hafenbetrieb und Verteidigung besprochen. Der Operationsplan Deutschland sieht unter anderem alternative Umschlagpunkte und bessere Verkehrsanbindungen vor, um Störungen einzelner Standorte ausgleichen zu können.

Digitalisierung und technologische Erneuerung

Iven Krämer betont im Rahmen der Konferenz die Bedeutung der digitalen Transformation für die Wettbewerbsfähigkeit. Automatisierte und ferngesteuerte Anlagen wie die ersten „remote operated“- Container- und Bahnverlade-Brücken in Bremerhaven und Wilhelmshaven gelten als richtungsweisend, erfordern aber hohe Investitionen. Parallel dazu müssen die Hafenbetrieb Tätigen gezielt qualifiziert und in die Veränderungsprozesse eingebunden werden, um die notwendige Akzeptanz und Geschwindigkeit bei der Umsetzung zu erreichen.

Energie und alternative Kraftstoffe

Die Energieversorgung befindet sich ebenfalls im Wandel: Neben der grundlegenden, alle Bereiche des Hafengeschehens umfassenden Elektrifizierung kommen LNG und neue Schiffs-Kraftstoffe wie Methanol oder künftig Ammoniak zum Einsatz. Dafür müssen Bunkeranlagen, Regelwerke und geeignete Flächen in Hafennähe geschaffen werden – eine Aufgabe, die Wirtschaft, Hafenämter und Genehmigungsbehörden gemeinsam bewältigen müssen.

Schutz vor organisierter Kriminalität

Ein weiterer Schwerpunkt des aktuellen Hafengeschehens liegt auf der Bekämpfung von Schmuggel und Drogenkriminalität. Die Einführung der „Secure Release Order“ als IT-gestützte Lösung für sichere Containerfreigaben ist ein Beispiel für innovative Sicherheitsmaßnahmen, wobei der besondere Erfolg darin liegt, dass hier eine gemeinsame Lösung für die deutschen Häfen insgesamt umgesetzt wird.

Der Mensch als Erfolgsfaktor

Trotz aller technischen Entwicklungen bleibt der Mensch im Zentrum der Hafenentwicklung. Vorbilder aus der Branche sollen Nachwuchskräfte gewinnen und motivieren. Die Hafentechnische Gesellschaft (HTG) spielt hierbei eine wichtige Rolle als Plattform für Austausch und Vernetzung. Prof. Dr. Krämer plädiert für eine stärkere Zusammenarbeit maritimer Netzwerke, um Synergien zu nutzen und die Hafeninfrastruktur langfristig zukunftsfähig zu gestalten.

Für ihn steht fest: Zukunft entsteht nicht allein durch Maschinen, Kräne oder Daten – sondern durch die Menschen, die täglich dafür sorgen, dass der Hafen lebt und funktioniert. Ihre Leidenschaft, ihr Wissen und ihr Engagement sind es, die den Unterschied machen.